Mehrere Webauftritte mit nur einem System bedienen

01.05.2001

Client Server Computing Mai 2001



Was die Arbeitsweise der CMS angeht, gibt es Unterschiede, wie sie größer nicht sein könnten. Manche CMS-Hersteller liefern im Prinzip ein etwas aufgepepptes "Frontpage-Frontend", andere halten sich strikt an die Philosophie der Trennung von Content und Layout. Dies soll an einem konkreten CMS veranschaulicht werden. Das "CMS InterRed" der gleichnamigen InterRed GmbH basiert auf einem Web-Client und benötigt daher am Arbeitsplatz des Benutzers lediglich einen Internet-Browser.

Einen aktuellen Web-Auftritt benötigt mittlerweile fast jedes Unternehmen. Schlagwörter wie Community, Personalisierung, E-Commerce und aktueller Content werden immer bedeutsamer. Dass die Aktualisierung einer Website Arbeit bedeutet, versteht sich von selbst, dass diese Aktualisierung aber sehr viel Geld kosten kann, ist eine Erkenntnis, die erst langsam in das Bewusstsein der Entscheider rückt. Gerade in diesem Bereich lassen sich eine ganze Menge Kosten sparen und zwar durch Content Management-Systeme (kurz CMS), die derzeit in aller Munde sind.
Der Grundgedanke dieser CMS ist es, Layout und Content zu trennen. In der Praxis bedeutet dies, dass die Aktualisierungswünsche nicht mehr zum Web-Designer getragen werden müssen, der die Änderungen direkt im Quelltext vornimmt oder jeder einzelne Mitarbeiter, der mit der Website arbeitet, aufwendig in HTML geschult werden muss, um eine Website zu aktualisieren. Hier bieten CMS einfach zu handhabende Eingabemasken (Grafik "Trennung Layout-Content").
Mittlerweile gibt es in diesem recht neuen Markt eine fast unüberschaubare Menge an CMS-Herstellern. Allerdings werden von den rund 120 verschiedenen Systemen nur rund zehn Systemen Chancen eingeräumt, sich langfristig am Markt durchzusetzen. Der technische und konzeptionelle Ansatz dieser Systeme ist grundverschieden. So gibt es CMS, die aus einem Projekt heraus entstanden sind und Systeme, die mit breitem konzeptionellen Ansatz entwickelt wurden. Letztere stoßen erfahrungsgemäß weniger schnell an Grenzen, wenn sie in neuen Projekten zum Einsatz kommen.
Das Design der Seite wird in einem so genannten Template festgelegt. In diesem Template werden InterRed-spezifische Platzhalter definiert. Auf Basis dieser Platzhalter wird für den Anwender eine Eingabemaske erzeugt, in die er den Text und eventuelle Bilder oder Downloads, eingibt. Der Anwender hat, bei entsprechenden Rechten, die Möglichkeit, den Text zu formatieren. Mehr Einflüsse auf das Layout der Seite hat er aber nicht. Der Vorteil liegt auf der Hand. Alle Seiten der Rubrik haben das gleiche Layout, das Corporate Design der Website lässt sich einfach durchsetzen und der einzelne Anwender muss sich nicht mehr mit Formatierungen und sonstigen Layout-Gestaltungen beschäftigen.
Ein professionelles Content Management-System muss aber noch weitaus mehr bieten. Eine Abbildung des Unternehmens-Workflows wird genauso gewünscht, wie eine zeitgesteuerte Publikation und die Unterstützung von Teamwork und Multilingualität. Diese Features sollten zur Grundausstattung eines CMS gehören. Das betrachtete CMS InterRed deckt diese Funktionen komplett ab. Workflows lassen sich beliebig abbilden. Standardmäßig werden fünf Workflow-Stufen verwendet, die aber je nach Bedarf erweitert oder reduziert werden können. Die Rechte der einzelnen Redakteure können vierdimensional zugeteilt werden. Jedem Mitarbeiter und jeder Gruppe (1. Dimension) kann für jede Beitragsart (2. Dimension) und für jede Workflow-Stufe dieser Beitragsart (3. Dimension) eine genaue Rechtedefinition auf fremde und eigene Beiträge (4. Dimension) gegeben werden. Teamwork wird durch ein integriertes Messaging-System realisiert.
Aber auch die genannten Funktionen machen ein CMS nicht komplett. Immer mehr Web-Seitenbetreiber wollen eine Community oder legen besonderen Wert auf Personalisierung der Seiten, um so mehr über die Surfer zu erfahren und diesen ziel- und interessengerechte Informationen bereitzustellen. Bei InterRed wurden zu diesem Zweck OEM-Versionen von Fremdanbietern voll in das CMS integriert. So wird die Community-Software der Firma brainwire (www.brainwire.de) eingesetzt, die unter anderem die Software für www.wallstreet-online.de, eine der größten Communities des deutschsprachigen Internets, entwickelt hat. Die Personalisierung basiert bei InterRed auf der Software "SERbrainware" der Firma SER Systems AG (www.ser.de). Hier ist eine assoziative Suche genauso Bestandteil wie ein ausgeklügeltes Informations- und Wissensmanagement mittels neuronaler Netzwerke. Der große Vorteil im Zusammenspiel dieser Komponenten ist die einfache Administration und die gemeinsame Datenbank. So werden alle administrativen Aufgaben, sei es nun das CMS, die Community oder das Knowledge Management, in einer einzigen Oberfläche administriert.
Weitere wichtige Merkmale eines leistungsfähigen Content Management Systems sind die Offenheit zu anderen Applikationen, die Möglichkeit, externen Content zu integrieren sowie die Unterstützung der immer wichtiger werdenden Content-Syndication. InterRed deckt hier das komplette Spektrum ab. Neben offengelegten APIs kann das System mittels einfacher Trigger (Perl- oder SQL-Anweisungen) flexibel erweitert werden. Im- und Exportmöglichkeiten zu anderen Datenquellen sind via XML-Replikator oder über ein integriertes JDBC-/ODBC-Plugin realisierbar.
Vielen Content Management Systemen sind aber aufgrund eines rein DB-fokussierten Ansatzes Grenzen in der Skalierbarkeit, in der Performance und bei den Zugriffen gesetzt. Das Problem der Performance und der Zugriffszahlen löst InterRed durch eine ideale Kombination von statischem und dynamischem Content. Somit wird das CMS komplett vom Web-Server getrennt. Dadurch erreicht man einen hochperformanten Web-Auftritt, den auch extrem hohe Zugriffszahlen nicht tangieren können. So werden große Websites, wie beispielsweise www.chip.de mit mehr als 15 Mio. PI pro Monat, von einem InterRed-System verwaltet (Grafik "Skalierbarkeit").
Mit InterRed besteht auch die Möglichkeit, mehrere Web-Auftritte mit nur einem System zu bedienen. Beim Paul Parey Verlag (www.paul-parey.de) werden insgesamt sechs Web-Auftritte von Printmagazinen mit einem einzigen System verwaltet. Auch mehrsprchige Auftritte stellen für InterRed kein Problem dar. Ein Beispiel dafür ist die Trusted Shops GmbH, die ein Gütesiegel für Online-Shops bietet. Dort wird der Web-Auftritt derzeit in drei Sprachen gemanagt. Weitere Sprachen können hinzugefügt werden, ohne dass InterRed selbst umgebaut werden muss.
Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Auswahl eines Content Management-Systems ist neben den technischen Möglichkeiten oft auch eine "politische" Entscheidung: die Wahl des Betriebssystems. Es gibt kaum CMS, die auf allen Server-Betriebssystemen lauffähig sind, der Markt ist eindeutig in ein Microsoft- und ein Linux-/Unix-/Solaris-Lager geteilt. Da die meisten Unternehmen bereits eine bestehende Rechnerinfrastruktur besitzen, wird die Entscheidung nicht nur aufgrund der Möglichkeiten des CMS gefällt, sodern vielfach auch auf der Basis der Integrationsfähigkeit in die bestehende Umgebung.
Da viele CMS das Betriebssystem aber "kapseln" und mit der sonstigen Infrastruktur über standardisierte Schnittstellen und Protokolle kommunizieren, ist die vermeintlich bedeutsame Wahl des Betriebssystems aufgrund bestehender Infrastruktur weniger entscheidend. Wichtiger sollte eine solide Plattform für den Betrieb des CMS sein. Und dürfte Linux wegen des breiten Einsatzes als Basistechnologie für Websites die erste Wahl sein.
Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die Dauer einer Umsetzung sind wichtige Punkte, wenn es um die Wahl des geeigneten CMS geht. Bei vielen CMS-Anbietern gibt es eine Menge versteckter Kosten. Auf den ersten BLick erscheinen viele Content Management-Systeme sehr preiswert, da viele Hersteller modular verkaufen. Das heißt, dass das Kernmodul recht preiswert ist, aber für jede weitere (oft fundamentale) Funktion muss dann die Geldbörse teilweise recht weit geöffnet werden. Oder das System wird komplett vertrieben, aber die Anzahl der damit zu betreibenden Websites, der anlegbaren Anwendergruppen oder auch übersichtlichere Preismodelle. So wird beispielsweise das oben betrachtete CMS InterRed alleine auf Basis der Anzahl der Anwender lizenziert.
Eine eindeutige Empfehlung für ein CMS kann nicht gegeben werden, da je nach Anforderung die verschiedenen Systeme Vor- und Nachteile haben. Als Entscheider sollte man allerdings darauf achten, dass das Content Management System den eigenen Bedürfnissen gerecht wird und mit möglichst wenig Aufwand angepasst werden kann. Denn kaum ein CMS-Projekt geht komplett ohne technische Anpassung über die Bühne. Wer sich einen Überblick des CMS-Marktes verschaffen will, findet unter www.contentmanager.de eine empfehlenswerte Anlaufstelle.