Boom für Spezialisten
eCommerce Magazin Februar 2002

Der deutsche Markt für Content Management Systeme (CMS) verändert sich. Noch im letzten Jahr wurde er von einigen großen Unternehmen dominiert, deren Existenz jedoch momentan bedroht ist. Inzwischen sind sehr viele kleine Unternehmen entstanden, die Content Management (CM) anbieten. "Diese kleinen, nicht unbedingt klassischen Bastelbuden, die vielleicht ein spezifisches Know-How haben, bieten meist nicht nur einfach Content an, sondern machen sich Gedanken darüber, was Kunden mit dem Content anfangen können. Sie versuchen, sich in bestimmten Nischen zu positionieren. Das ist der allgemeine Trend", beschreibt Martin Hegi, Geschäftsführer von New Media Sales, einem Unternehmen für Software Research, die Situation. Eine Konsolidierung des CM scheint nicht in Sicht, wenngleich Analysten sie jedes Jahr von neuem ankündigen. Hegi: "Es ist kein Trend zur Konsolidierung festzustellen. Es gehen nur wenige Anbieter vom Markt - meist werden sie gekauft - und es kommen viele neue, unbekannte dazu." Josef Huber, Geschäftsführer von Tridion, ist anderer Meinung: "Im Bereich Redaktionssysteme wird es ganz klar eine Konsolidierung geben. Heute zählen etwa 120 Anbieter von CM in diese Kategorie. Das ist eindeutig zu viel. In den nächsten 24 Monaten werden vielleicht 15 bis 20 übrig bleiben. Der Rest wird sich eher dem Projekt- als dem Produktgeschäft widmen." Auch Stefan Hiene, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der deutschen Content-Wirtschaft (VDCW), sieht für die Zukunft drei bis vier große Anbieter, die sich um die Top-500-Unternehmen streiten, 20 bis 40 Anbieter für den Mittelstand und ein paar für Low-Budget- oder ASP-Lösungen.

Auch auf technologischer Basis entwickeln sich Content-Management-Systeme weiter. Nicht nur die relativ dünnen Inhalte der Webseite, die meist Informations- und Präsentationscharakter haben, wollen organisiert sein. Auch die Daten aus dem Intra- und Extranet, ebenso die der gesamten E-Business-Aktivitäten usw., müssen strukturiert und an einem Ort gespeichert werden, greifbar und vor allem auch leicht aufzufinden sein. Enterprise Content Management (ECM) anstelle von reinen Web Content Management ist das Schlagwort für Anbieter geworden. Martin Hegi hat seine Zweifel: "Dem Hersteller sollte man nicht einfach glauben, dass er ECM vollständig abbilden kann. Es ist wahrscheinlicher, dass er es in einem ganz beschränkten Bereich der heterogenen IT-Landschaft isoliert zur Verfügung zu stellen vermag, aber zu Marketingzwecken den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Das führt zur Frustration bei den Anwendern, die sich wundern, warum das CMS bei ihnen nicht läuft."

Die Nachfrage nach guten Suchmaschinen oder einer Anbindung an solche wächst. Inhalte müssen in jeder beliebigen Form verwendbar sein, sich in alle Datenbanken und Applikationen einbinden und medienneutral speichern lassen. Content wird zunehmend in Java abgebildet. Der Vorteil der weit verbreiteten, objektorientierten Programmiersprache liegt darin, dass sie modular programmierbar ist und die verschiedensten Elemente angefügt werden können.Die internationale Anwendung von CMS tritt in den Vordergrund. Software für das Digital Rights Management wird notwendig, um Urheberrechte von im Web verteilten Inhalten zu verwalten.

Insgesamt ist festzustellen, dass das Internet, Content Management und Dokumentenmanagement in dem Maße zusammenwachsen, in dem E-Business die Geschäftsprozesse eines Unternehmens durchdringt.
(mh)